1150 Jahre Dachsen - Grenzwanderung
Am Sonntag, 25. Oktober, um 9:30 Uhr war erneut Treffpunkt beim Schulhaus. Die Vorzeichen waren alles andere als einladend: MeteoSchweiz hatte für den ganzen Tag eine Windwarnung mit Böen bis gegen 70 km/h ausgegeben, dazu Regen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent. Die Böen fielen dann zwar deutlich schwächer aus als noch am Vortag – der Regen hingegen kam wie angekündigt. Trotzdem fanden sich 32 Unentwegte zur zweiten Hälfte der Grenzwanderung ein. Wo die Nordschlaufe im April die Grenze verlassen hatte, setzte die Gruppe wieder an und folgte ihr weiter im Uhrzeigersinn.
Erster Halt war das Trügli – jenes kleine Wäldchen, das man als Dachsemer einfach kennen muss, auch wenn es auf dem Boden der Nachbargemeinde Benken liegt. Weiter ging es zur Wildunterführung unter der A4, wo nicht nur das Wild, sondern auch der Rötibach die Autobahn unterquert. Zum Aufwertungsprojekt am Rötibach zwischen Autobahn und Waldrand – lockere Büsche, Totholzhaufen – wie auch zur Bewässerung der Felder im Seewadel wusste Alt-Landwirt Hansueli Schüpbach aus dem Stegreif einiges Wissenswertes zu erzählen.
Ein kurzer Abstecher führte danach an den Rötibach selbst, wo die Biber ganze Arbeit geleistet haben: Gleich vier bis fünf Dämme, jeder mehrere Meter hoch, stauen den Bach, und hinter dem grössten hat sich ein richtiger kleiner See gebildet. Auch beim Bibersee unterhalb der Strasse machte die Gruppe kurz Halt, bevor es an der neuen Feuerstelle im Mettli vorbei zur Fischzuchtanlage ging.
Deren Besuch war das eigentliche Highlight des Tages und dauerte über eine Stunde. Fischereiaufseher Marc Laubscher erklärte, wie sich die Fischaufzucht am Jahreszyklus der Fische orientiert. Damit die frisch geschlüpften Jungfische naturnahes Futter erhalten, wird im Greifensee vom Ruderboot aus mit feinen Netzen Plankton gesammelt, in Einmachgläsern eingefroren und auf die sieben Fischereikreise des Kantons verteilt. So lernen die Jungfische früh, was sie später draussen erwartet – und kommen zurecht, wenn sie einmal freigelassen sind und sich selbst auf Futtersuche begeben müssen. Besonders interessant für die Dachsemer waren die Einblicke ins Projekt zur Wiederansiedlung des Lachses. Die Fischzucht Dachsen erhält mit am meisten befruchtete Lachseier zugeteilt. Die Elterntiere werden in Frankreich bei einem Rheinkraftwerk eingefangen. Dass die Lachse den Rhein hinaufsteigen können, ist dabei nur die halbe Miete: Der Abstieg flussabwärts ist die grössere Schwierigkeit als der Aufstieg – hier braucht es noch grosse Investitionen.
Von der Fischzucht ging es weiter zur Bachdelle, wo trotz Regen bereits das Feuer loderte. Genau jetzt, beim Grillieren, war der Regen am stärksten. Der guten Stimmung konnte das nichts anhaben, wie man den Gesichtern entnehmen konnte – im Gegenteil. Die bereitgestellten Würste und Püürli fanden ebenso grossen Anklang wie der Dachsemer Federweisse und Blauburgunder. Erst als um etwa 15 Uhr die Glut langsam zu Ende ging, löste sich die Wandergruppe allmählich auf.
Die Teilnehmenden waren sich einig und zu Recht ein wenig stolz auf sich: Den garstigen Umständen zum Trotz rausgekommen zu sein, statt den Sonntag als Couch Potato zu verbringen, hatte sich mehr als gelohnt.